Ein Kreis schließt sich in 2012 in meiner Familie, ich gelange in eine tiefe
Verbindung zu meinen Ahnen. Dazu möchte ich Ihnen eine wahre Geschichte
erzählen. Sie handelt von einem gewissen Driver, der vor langer Zeit als Heiler
in Belgien lebte, von seinem Sohn, dem berühmten Arzt und seinem Vater,
dem Kräuterkundigen. Dafür folgen Sie mir bitte um 14 Generationen zurück in
die Zeit der Renaissance.
Sie ahnen es bereits, dieser Mijnheer (niederländisch für „Herr“) Driver ist mein
Vorfahre – und ich bin einer von ganz wenigen noch bekannten Nachkommen.
Ich selbst kenne diese Geschichte erst seit etwa vier Jahren, als ich – natürlich
ganz zufällig – nach meinen Vorfahren googelte und merkwürdige und sehr
spannende Parallelen zu mir entdeckte. Dass sie möglicherweise einen noch
fehlenden Mosaikstein in meiner Arbeit bringen würde, zeigte sich jedoch erst
viel später. Aber beginnen wir doch wie es sich für ein Märchen gehört, ganz am
Anfang.

Vor über 600 Jahren lebte mitten in Belgien ein Schäfer mit seiner Frau und einigen Kindern. Das ganze Jahr über trieb er seine Schafe bei Wind und Wetter von Weide zu Weide und von Ort zu Ort. Die kleine Familie trottete als Karawane hinter der Herde her, wenn die Weide abgefressen war. Wenn es einen Unterstand gab, richteten sie sich dort so häuslich ein, wie es ging, ansonsten lebte die Familie in einem kleinen Zelt. Wahrscheinlich ernährten sie sich von Milch, Käse, Früchten und dem, was sie unterwegs fanden oder eintauschten. Sie waren nicht ärmer oder reicher als die meisten anderen Menschen zu dieser Zeit.

Die Menschen in Europa erlebten damals einen Wandel, man stand am Beginn der „Neuzeit“. In Deutschland führte man die Reichssteuer ein. Es war eine Zeit der wilden Kriege zwischen Frankreich, Italien und dem Vatikan. Columbus entdeckte Amerika und Luther schlug seine Thesen an die Tore des Wittenberger Doms. Es war die Zeit der Hexenverfolgung, europaweit wurden als Hexen und Ketzer Verdächtigte gefoltert und verbrannt. 1486 erschien in Speyer der Hexenhammer, ein Machwerk, in der der Dominikaner und gescheiterte Inquisitor Heinrich Kramer seine Vorstellungen von Hexen zusammenfasste und mit Dutzenden von Kirchenväter-Zitaten untermauerte. Um die 50000 Hexen starben in dieser Zeit in ganz Europa.

Doch kommen wir zurück zu unserer kleinen Familie. Das Frühjahr war für die Schäferfamilie die schönste Zeit des Jahres. Nach dem langen düsteren Winter wurden die Tage länger, das Gras wuchs wieder und die Weiden waren voller bunter Blumen und Kräuter. Endlich verschwand diese klamme Kälte, die nicht aus den Kleidern zu bekommen war. Wie oft hatten sie bibbernd einer an den anderen gedrückt versucht, die Kälte der Nacht zu besiegen. Die Wärme der Schafe war dann oft lebensrettend. Nun aber stand der Sommer vor der Tür, die Vorräte konnten nach und nach aufgefüllt werden und überall sprangen die jungen Lämmer herum.

Ihr Hab und Gut schleppten sie auf einer Art Bollerwagen, den der Schäfer und seine Frau selbst zogen, durchs Land. In den Dörfern kannte man ihn als „De Drijvere“. Seinen Namen hatte er von seiner Arbeit, dem Treiben von Schafen. Treiben heißt drijven im Niederländischen und so wurde er wie es damals üblich war, nach seinem Beruf „Der Treiber“ genannt.

Wenn der Treiber auf die Wiesen vor dem Dorf kam, sprach sich dies herum wie ein Lauffeuer. Kranke und Verletzte kamen zu ihm und baten um Hilfe. Der eine oder andere hoffte sicherlich auch auf einen Liebeszauber, um das Herz der Verehrten leichter zu erobern. Ein Schäfer war zu der damaligen Zeit immer auch Kräuterkundiger, Heiler und Wetterkundiger. Die Menschen kamen zum Schäfer mit ihren Krankheiten und er heilte mit dem überlieferten Wissen seiner Ahnen. Er kannte alle Kräuter und ihre Heilkraft, er wusste um heilsame Rituale und nutzte sicherlich auch allerlei Hokuspokus und den Aberglauben seiner Kunden zu deren Genesung.

Ist dies nicht ein merkwürdiger Zufall? Nun, es handelt sich dabei um eine Synchronizität, eine bedeutungsvolle Koinzidenz zwischen meinen Ahnen und dem, was ich heute mache. Der Schäfer, der Hirte ist eine archetypische Person, die ihre Schäfchen behütet. Pan, der griechische Hirtengott, der einen menschlichen Oberkörper und den Unterkörper eines Ziegenbocks hat, hat wesentliche schamanische Züge in seiner Wildheit und Ekstase.

Bereits in der Bibel war der Hirte immer auch der Anführer, der der vorausgeht, der listig war und der die kosmischen Geheimnisse kannte. Der Hirte steht für den Archetyp fürsorgenden Wohlwollens und Wohlhandelns innerhalb der Schöpfung. Abraham, Isaak und auch König David, der Goliath besiegte, sie alle waren Hirten. Sie hüteten das Lamm, das das klassische Opfertier war.

Aber das war noch nicht alles, die Parallelen gehen weiter! Um 1480 wurde nämlich des Schäfers Sohn Jeroome de Drijvere geboren. Oft wurden die Kinder zur damaligen Zeit nicht alt und verstarben, doch Jeroome überlebte. Als Jeroome erwachsen war, entschied er sich irgendwann, Arzt zu werden. Er wendete das Wissen über die Menschen, Tiere und Pflanzen, welches er bei seinem Vater gelernt hatte, an. Heute würde man ihn als Quaksalber und Kräuterkundigen bezeichnen. Und so kam es, dass er in dem kleinen Dörfchen Brakel, das zwischen Brüssel und dem französischen Roubaix liegt, sesshaft wurde. Allzuviel wissen wir über ihn nicht. Er heiratete dort und 1502 wurde wiederum sein Sohn Jeremias geboren. Und hier schließt sich der Kreis, denn auch Jeremias steht für einen Teil von mir.

Jermemias war sehr an den Heilkünsten seines Vaters interessiert, suchte aber mehr und mehr, die Dinge rational zu ergründen. Jeremias war einer der ersten Ärzte, der versuchte, die Medizin auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Hier entdecke ich meine andere Hälfte, den Ingenieur, der immer alles rational zu ergründen suchte. Heute habe ich erkannt, dass nur beide Hälften gemeinsam stark sein können. Der Schäfer und Hirte, Der Kräuterkundige und der rationale Forscher ergänzen sich in idealer Weise.

Jeremias beschäftigte sich übrigens sehr mit den Gedanken des Arztes Galenos von Pergamon, der im 2. Jahrhundert nach Christi Geburt lebte. Galenos Leitgedanke darin ist, dass alle Erscheinungen in der Natur und im Menschen einen bestimmten Zweck erfüllen. Er begriff den Menschen als eine Leib-Seele-Einheit, die von zwei Seiten beeinflusst werden kann: von der Metaphysik und von der Materie. Dabei arbeitete er mit der Vier-Elemente-Lehre und sah Feuer, Wasser, Erde und Luft als die Grundelemente allen Seins. Seine Vier-Säft-Lehre (Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle) ist aus heutiger Sicht jedoch eher skurril.

Er wurde „erster“, also der oberste Professor an der katholischen Universität zu Löwen. Wie damals üblich, gab auch er sich einen lateinischen Namen und nannte sich Jeremias Triverius Brakeli (aus Brakel). In den alten Schriften, die mittlerweile auch in den Online-Bibliotheken gelistet sind, findet man die verschiedensten Schriftweisen wie Jeremias Triverius, Hieremias Thriveri, Jérémie de Dryvère oder Hieremias de Drivere. 1554 verstarb er und wurde im Dom zu Löwen ehrenvoll bestattet. Das Grab ist heute leider nicht mehr vorhanden, obwohl ich mich erinnere, dass mein Vater mir als ich noch ein Kind war, einmal eine Grabplatte in diesem Dom gezeigt hatte. Der Anatomie-Saal der Universität trägt aber noch heute seinen Namen .

Hätten mein Großvater und dessen Großvater nicht bereits viele Jahre zuvor mühsam in alten Kirchenarchiven und ähnlichem geforscht und alles aufgeschrieben, so wäre ich nie auf diese Zusammenhänge gekommen. So aber kommt es, dass der Stammbaum der Familie Driver auf einem belgischen Schäfer und Heiler aufbaut. Für meine schamanische Arbeit habe ich mit Großvater, Vater und Sohn drei starke Geisthelfer gefunden, die ich jederzeit besuchen und um Rat fragen kann. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, helfen sie.
Und nun können Sie sagen, dass dies alles Zufall ist …